IRC

Aus Makerpendium.de

IRC ist ein verbreitetes textbasiertes Chatsystem. Es entstand bereits 1988 und ist damit älter als das World Wide Web. Außerhalb bestimmter Nischen ist die Nutzung von IRC seit Mitte der 2000er-Jahre stark rückläufig. In der Maker-Szene wurde IRC lange Zeit intensiv genutzt, hat seine Bedeutung Mitte der 2010er-Jahre aber fast vollständig verloren.

Geschichte

Die erste Fassung des IRC-Protokolls und auch das erste IRC-Netzwerk wurden von 1988 von Jarkko Oikarinen an der Universität Oulu in Finnland entwickelt. Schon bald schlossen sich weitere Universitäten diesem IRC-Netzwerk an, zunächst noch hauptsächlich aus Skandinavien, bald aber auch aus den USA und vielen weiteren Ländern. 1989 gab es schon 40 IRC-Server weltweit.

1990 kam es zum ersten Split der IRC-Geschichte, als sich der IRC-Server Eris der Universität Berkeley abspaltete und mit dem EFNet (Eris Free Network). Bis dahin waren alle IRC-Server Teil eines zentralen Netzwerks. In den Folgejahren kam es erneut zu Splits und der Gründung etlicher neuer IRC-Netzwerke.

Obwohl IRC bereits Ende der 1990er-Jahre gegenüber den neu aufkommenden Instant-Messengern technisch ins Hintertreffen geriet, wuchs die Zahl der IRC-Nutzer weiter stark an, auch kamen ständig neue IRC-Netzwerke hinzu. Speziell bei großen Gruppenchats gab es lange kaum Konkurrenz für IRC. Seine absolute Boom-Zeit erlebte IRC in den späten 1990ern bis Mitte 2000er-Jahre. Im damals größten IRC-Netzwerk, dem QuakeNet, waren zur Spitzenzeit 2004 über 240.000 Nutzer gleichzeitig online.

Anschließend begann ein anfangs noch langsamer Rückgang der IRC-Nutzerzahlen, der sich in den 2010er-Jahren massiv beschleunigte. Einige der großen IRC-Netze haben seitdem 80% und mehr ihrer Nutzerzahlen verloren. Zurückzuführen ist dieser Rückgang vermutlich auf die technischen Limitationen von IRC und das Aufkommen komfortablerer und einfacher nutzbarer Alternativen. Programme wie Discord schafften es inzwischen auch in die lange von IRC-dominierte Domäne der Massenchats vorzudringen.

In einigen Nischen ist IRC aber nach wie vor die meistgenutzte Art zu chatten. Zu nennen sind hier insbesondere die netzpolitische Hackerszene sowie die Open-Source- und Linux-Gemeinde. Freenode und OFTC, die zwei wichtigsten IRC-Netzwerke die in diesen Bereichen auch sehr beliebt sind, konnten dem Negativtrend trotzen.

Der Niedergang von IRC ist auch am Beispiel der Maker-Szene gut erkennbar. Mitte der 2000er-Jahre betrieben die meisten Maker-Communities eigene IRC-Kanäle, die auch durchaus gut frequentiert wurden. Noch 2013 fand im RPG-Atelier mit dem #RPG-Atelier Game Jam ein Contest statt, der Bezug auf dessen IRC-Kanal legte. Inzwischen hat IRC seine Bedeutung für die Maker-Szene aber fast vollständig verloren. Das Atelier gab seinen IRC-Channel 2016 zugunsten eines Discord-Servers auf.

Überblick

Zum Chatten via IRC ist ein spezielles Programm, ein sogenannter IRC-Client, erforderlich. Zu nennen sind hier etwa mIRC oder X-Chat.

Mit dem IRC-Clienten kann man sich mit einem oder mehreren IRC-Netzwerken verbinden. Vor Herstellung der Verbindung ist der gewünschte Nickname auszuwählen, unter dem später mit anderen Chatteilnehmern kommuniziert werden soll. Theoretisch ist dieser Name frei wählbar, in den meisten IRC-Netzwerken gibt es aber die Möglichkeit einen Nick zu registrieren und mit Passwort zu schützen, um die Verwendung durch Unbefugte zu verhindern.

Einmal verbunden kann man beliebig vielen Chaträumen, genannt Kanäle oder auch Channels, beitreten. Jeder Kanal hat einen Namen, der immer mit einer Raute beginnt und meist klein geschrieben wird (beispielsweise #rpgmaker). Außerdem gibt es das sogenannte Thema (auch Topic). Dieses kann, im Gegensatz zum Kanalnamen, jederzeit geändert werden und ist teilweise mehrere Sätze lang. Es dient der Beschreibung des Kanals und kann auch Links enthalten. In einem Kanal können dann Nachrichten geschrieben werden, die an alle aktuell dort Anwesenden verschickt werden. Außerdem sind alle dort aktuell anwesenden User in einer Liste einsehbar. Diese Zahl schwankt je nach Kanal von nur einer Handvoll bis hin zu mehreren Tausend.

Innerhalb eines Kanals gibt es reguläre Benutzer und sogenannte Operatoren (auch kurz Ops). Deren Rolle entspricht in etwa der jenigen von Admins in Webforen. Sie können Benutzer aus dem Kanal temporär kicken oder auch permanent bannen, das Thema ändern oder auch andere Nutzer zu Ops ernennen. Einige wenige Kanäle erlauben nur vorher eingeladenen Benutzern den Beitritt. Außerdem gibt es Kanäle, in denen zum Schreiben von Nachrichten die sogenannte Voice-Berechtigung erforderlich ist. Auch diese Berechtigungen werden von Ops gegeben.

Ein eigener Kanal kann theoretisch jederzeit von jedem Benutzer erstellt werden. Dazu muss dieser lediglich einen Namen auswählen, der bislang von keinem anderen Channel verwendet wird. Tritt man einem leeren Kanal als Erster bei, erhält man dort automatisch die Op-Rechte. In IRC ist es auch möglich andere User direkt anzuschreiben und eine persönliche Unterhaltung zu starten. In dieser können auch Dateien verschickt werden.

In IRC werden Nachrichten nur an aktuell in einem Kanal anwesende Nutzer zugestellt. Ist man gerade offline oder nicht im Kanal, gibt es keine direkten Möglichkeiten den in dieser Zeit geschriebenen Chatverlauf nachträglich einzusehen. In manchen Kanälen gibt es allerdings Bots, die den Verlauf protokollieren und ins Web stellen, so dass zumindest eine indirekte und nicht sonderlich komfortable Möglichkeit besteht.

Allgemein ist es in IRC-Chats üblich, dass Benutzer sehr lange online sind, teilweise 24/7, ohne dabei die ganze Zeit aktiv zu schreiben. Dafür wird jedoch meist nicht der eigene PC rund um die Uhr angelassen, vielmehr gibt es spezielle Bots und Skripte (sogenannte Bouncer), die den eigenen Nick in der Zeit „übernehmen“, in der die Person dahinter ihren IRC-Clienten nicht geöffnet hat. So ist der eigene Nick fast permanent in der Benutzerliste zu sehen. Für Ops und Channel-Betreiber hat dies einen weiteren Vorteil: Häufig müssen Op-Status und sonstige Berechtigungen bei jeder Neuverbindung mit einem IRC-Netzwerk ebenfalls neu vergeben werden, teilweise manuell von anderen Ops. Auch erfahrene User ohne entsprechende Tools sind im IRC aus den selben Gründen möglichst lange online, ohne ständig zu schreiben. Häufig läuft der IRC-Client die gesamte Zeit im Hintergrund.

Besonderheiten von IRC

Die oben genannten Limitationen von IRC führen dazu, dass viele IRC-Kanäle zwar vergleichsweise viele anwesende Benutzer haben, dort aber über Stunden nichts oder vergleichsweise wenig geschrieben wird. Die Anwesenheit in IRC ohne aktiv zu schreiben wird häufig idlen genannt und ist für Neulinge sehr verwirrend. Obwohl in einem Kanal 60-70 Personen anwesend sind, dauert es häufig Minuten oder sogar Stunden, bis eine Antwort erscheint. Das typisch klischeehafte Noob-Verhalten ist es, eine Frage zu stellen, sie nach wenigen Minuten zu wiederholen und anschließend wütend das IRC-Programm zu schließen.

Die Benutzung von IRC hatte, gerade wegen der technischen Beschränkungen des Systems, immer etwas leicht Elitäres, gerade auch in der Maker-Szene. In einem Forum dabei zu sein war eines, im IRC dabei zu sein etwas anderes. Ein Beitrag in einem Forum konnte auch am nächsten Tag noch gelesen werden, dagegen erhielt man die neuesten Community-internen Gerüchte und Entwicklungen aus dem IRC nur, wenn man selbst dabei war. Im RPG-Maker-Quartier gab es sogar einige Community-Treffs, die nur Personen offenstanden, die regelmäßig in einem „geheimen“ IRC-Kanal aktiv waren.

IRC-Kanäle mit Maker-Bezug

euIRC

euIRC ist ein europäisches IRC-Netzwerk mit Wurzeln in Deutschland. Trotz des Fokus auf die gesamte Europäische Union im Namen sind die meisten Nutzer aus dem deutschsprachigen Raum. Die meisten Kanäle der deutschsprachigen Maker-Szene waren in diesem Netzwerk angesiedelt.

QuakeNet

SorceryNet

SynIRC